Kirchengeschichte
Kirche 2015 Mai (21)

 

Die Berlinger Kirche
Wahrzeichen von Berlingen ist die Kirche, die auf einer leichten Erhöhung auf einer Art Halbinsel steht, die der Bach über Jahrhunderte als "Fülle"- Auffüllung/Delta geschaffen hat.
Früher stand hier im 13. Jahrhundert eine Michaelskapelle, 1659 folgte eine Kirche, die aber zu klein wurde. 1842 wurde die jetzige Kirche errichtet, als eine der ersten neugotischen Kirchen der Schweiz. Das war ein Wagnis, sind doch die anderen Kirchen in dieser Zeit als Saalbauten erstellt worden!
Die Renovation von 1968 hat die alte Schlichtheit mit hellen Wänden und viel Holz wieder zum Vorschein gebracht.
Die alte Kanzel (weit oben im Zentrum), sowie der ebenso marmorisierte Taufstein sind Spenden von Napoleon III, der im nachbarlichen Mannenbach-Salenstein aufgewachsen ist und ein Freund von Minister Kern (1808-1888) war, einem der grossen Berlinger-Genies.
Glocken
Die Glocken erklingen zu ganz bestimmten Zeiten und nach vorgefassten Regeln. Ursprünglich regelten sie den ganzen Tagesablauf der Bevölkerung. So wurde auch zum Wimmet extra eingeläutet. Verschiedene Arten des Geläutes zeigten auch Brände an oder noch grössere Katastrophen.
Auch heute läuten die Glocken zu allen kirchlichen Handlungen wie Trauungen oder Abdankungen.
Für die Taufe wird speziell die Taufglocke geläutet. Die fünf Glocken wurden nach und nach eingesetzt: nämlich 1668, um 1850 und 1947.
Orgel
Die Orgel ist eine Besonderheit, denn sie ist eine der wenigen, die pneumatisch aufgebaut ist. Sie stammt aus dem Jahr 1904 und wurde bei der letzten Orgelrenovation wieder auf die feine frühklassische Harmonie umgestimmt.
Pfarrhaus
Das Pfarrhaus ist das erste Riegelhaus rechts von Steckborn her oder das zweite Riegelhaus links nach der Kirche von Kreuzlingen her. Es steht gegenüber vom "Grossen Haus", dem Kehlhof, dh. dem Amtssitz der Reichenauer Herrschaft, das auf der Seeseite der Seestrasse steht.
Das Pfarrhaus ist 1646 abgebrannt und wurde sofort in Fronarbeit (und mit Unterstützung der Stadt Zürich) wieder aufgebaut, und das im Dreissigjährigen Krieg (1618-1648), als ganz Europa von Spanien bis Schweden im Krieg stand, die Heere bis Konstanz. Das alte Riegelhaus wurde immer wieder sanft renoviert. Ein Zimmer ist noch von 1647 erhalten, mit Täfer und Kachelofen.

Die angeschlossene Remise war ursprünglich das Depot für Feuerwehr und Leichenwagen und ist oben heute ausgebaut als modernes Studierzimmer des Pfarrers.
Das Pfarrhaus diente auch sonst der Allgemeinheit. So wurde in der Remise (heute Studierzimmer) eine Streitaxt von ca. 1400 gefunden, was auf ein Lager von Waffen zur Verteidigung des Dorfes schliessen lässt. Ein kleines Prunkstück ist auch die "Schatztruhe" mit drei Schlössern, für Pfarrer, Aktuar und Pfleger, von ca. 1500.
Altes Schulhaus
Das alte Schulhaus ist direkt mit dem Pfarrhaus verbunden und war ursprünglich im Besitz der Evangelischen Schulgemeinde. 1914 wurde ein grosszügiges neues Schulhaus gebaut und das Schulwesen ging an den Staat über, der auch den Kindergarten einrichtete. Heute gehört das Gebäude der politischen Gemeinde. Im alten, sehr kleinen Schulzimmer wurde die Gemeindebibliothek eingerichtet. Heute wird es von der Kirchgemeinde für Gesprächsabende und verschiedene kleinere Gemeindeanlässe genutzt.
Kirchenbücher - Pfarrarchiv
Die Kirchenbücher sind in der Remise sicher aufbewahrt. Sie datieren bis 1604. Familiengeschichten können bis etwa 1540 zurückverfolgt werden mit Taufen, Hochzeiten und Abdankungen. Dazu sind auch Protokolle und Familienregister von Bedeutung und viele alte Schriften, wie der Armenrodel.
Autor: Evangelische Kirchgemeinde Berlingen     Bereitgestellt: 13.02.2016     
aktualisiert mit kirchenweb.ch